Das Tonhandwerk von Otto Gerharz

Otto Keramik wurde 1964 von Otto Gerharz Sen. in Rheinbach gegründet — einem Keramiker, dessen Leidenschaft für Glasurchemie bereits eines der prägenden Studios der westdeutschen Nachkriegskeramik geformt hatte.

Bevor er Otto Keramik gründete, arbeitete Gerharz Sen. über ein Jahrzehnt bei RUSCHA, wo er ab 1951 als Leiter der künstlerischen Produktion tätig war. Dort entwickelte er das tiefe technische Wissen über Glasurformulierung, das später sein eigenes Studio prägen sollte. Als er RUSCHA verließ, folgte ihm der Designer Kurt Tschörner — gemeinsam entwickelten sie eine Bildsprache, die Sammler heute sofort erkennen: kraftvolle skulpturale Formen, lebendige vulkanische Glasuren und eine Oberflächenqualität, die kein industrieller Prozess replizieren konnte.

1970 zog das Studio auf ein Industriegelände in Rheinbach, was Gerharz Sen. den Raum und die Möglichkeiten gab, seine Glasurforschung auszubauen. Die Ergebnisse — geschichtete, fließende, dreidimensionale Oberflächen in feurigen Rottönen, tiefen Blaus und erdigen Brauntönen — wurden zu dem, was die Sammlerwelt heute Fat Lava nennt. Jedes Stück brannte anders. Jede Glasurreaktion war einmalig. Diese Unvorhersehbarkeit war kein Fehler — sie war das Ziel.

Otto Keramik blieb bewusst klein. Während andere Studios industrialisierten, hielt Gerharz Sen. am Handwerk fest. Qualität war keine Marketingposition — sie war ein Anspruch, den er jedem Stück auferlegte, das den Brennofen verließ.

1994 übernahm Otto Gerharz Jr. die Leitung der Produktion und führte das Studio weiter, während er das Glasurrepertoire in neue Bereiche erweiterte. Zwei Jahre später, als RUSCHA 1996 endgültig schloss, erwarb Otto Keramik eine Auswahl seiner historischen Entwürfe und bewahrte sie — eine passende Fortsetzung der Beziehung zwischen den beiden Studios, die vier Jahrzehnte zuvor begonnen hatte.

Heute ist Otto Keramik eine der letzten noch produzierenden Nachkriegs-Kunsttöpfereien Deutschlands. Jedes Stück wird in Rheinbach von Hand gefertigt, individuell glasiert und gebrannt und nach demselben Standard fertiggestellt, den Otto Gerharz Sen. 1964 etablierte.

Das Buch

2026 veröffentlichten Christine & Roy Hutt Otto Keramik. Manifesto of the Modern — das erste autorisierte Buch über Otto Keramik, in enger Zusammenarbeit mit der Familie Gerharz recherchiert und von Otto Gerharz Jr. auf historische Genauigkeit geprüft. Es ist die einzige umfassende Dokumentation der Geschichte des Studios, seiner Formen und seiner Keramiken, aus Privatsammlungen in ganz Europa, die bisher nie in gedruckter Form festgehalten wurden. 196 Seiten. Großformat. In hoher Auflösung fotografiert auf hochwertigem Seidenmatt-Papier, um jedes Detail der Glasuren zu zeigen. Fadenheftung für dauerhafte Qualität.

Für Sammler ist es eine unverzichtbare Referenz — mit tieferem Wissen über Glasuren, Produktionsprozesse und Formenidentifikation, das bisher nie veröffentlicht wurde.

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